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Koblenz im Nationalsozialismus( Quelle VVN Kaiserslautern)
Koblenz gehörte während der Wirtschaftskrise Ende der 20er/ Anfang der 30er Jahre zu den deutschen Städten, die die höchste Arbeitslosigkeit aufwiesen, dazu trug spezifisch bei, dass industrielle Unternehmungen, die gemeinhin als bestimmend für den wirtschaftlichen Wohlstand einer Gemeinde gelten, in Koblenz nur eine untergeordnete Rolle spielten. Hinzu kam, dass die Stadt nach dem Ersten Weltkrieg ihre Eigenschaft als Garnisonsstadt verlor, da sie, entsprechend den Bestimmungen des Versailler Vertrages, in der entmilitarisierten Rheinlandzone lag. Auf diese Bedingungen, die insbesondere für kleinere und mittlere Gewerbetreibende verheerende Auswirkungen hatten, stellten die Nazis schon frühzeitig ihre Propagandatätigkeit ab: Die Nazi-Zeitung "Westdeutscher Beobachter" hetzte seit 1926 gegen die Juden im Allgemeinen und das Warenhaus Tietz im Besonderen sowie gegen die städtischen Behörden, Bürgermeister und Polizeichef, der gelegentlich - auf Anordnung des preußischen Innenministers - gegen ihre Hetze polizeilich vorgegangen ist. Die von der Polizei verhafteten Nazi-Provokateure wurden allerdings stets von den Gerichten freigesprochen. Gegendemonstrationen gegen anti-jüdische Nazi-Provokationen, wie z.B. vom Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold (RB) im Dezember 1926 geplant, wurden "im Interesse der Aufrechterhaltung der öffentlichen Ruhe, Sicherheit und Ordnung" verboten.
Eine Koblenzer Ortsgruppe der NSDAP gab es seit 1925, sie wurde im April 1927 verboten und brach angeblich aufgrund innerer Zwistigkeiten wegen der demokratischen Gegenwehr verbunden mit ihrer relativen Erfolglosigkeit 1928 auseinander. Im März 1929 wurde sie anläßlich eines sog. Deutschen Freiheitstags neu gegründet.
In der Folgezeit wurde dann die faschistische Propaganda intensiviert aber auch die Gegenwehr der Demokraten verstärkte sich: Am 2. Mai 1929 fand in Ehrenbreitstein im Hotel Trum eine öffentliche Veranstaltung der NSDAP statt, auf der auch etwa 70 Nazi-Gegner - von der Polizei als Kommunisten bezeichnet - protegierten. Als tatsächlich ein Kommunist das Wort ergriff, und die Nazi-Demagogie entlarvte, provozierten die z. T. uniformierten Nazis eine Schlägerei mit Stühlen und Biergläsern und die Polizei prügelte die Antifaschisten aus dem Saal; die ca. 35 Nazis wurden unter Polizeischutz nach Koblenz geleitet. Am 10. August 1929 im "Bayrischen Hof" kamen schon 300 Personen in eine NSDAP-Veranstaltung, am 19. 0ktober 1929 bereits 400 in die Turngesellschaft Clemensstrasse. 1930 hatte die NSDAP in Koblenz bereits 400 Mitglieder in 40 Zellen von bis zu 15, nahmen monatlich fast 100 Mitglieder neu auf und hatten 200 Mann in der SA organisiert. Im April 1930 kam es anläßlich einer Großkundgebung des RB mit seinem Vorsitzenden Hörsing zu brutalen Angriffen der Nazis zunächst auf die Versammlungsteilnehmer und später, in der Nacht, zu Steinwürfen gegen die Polizei, die die Kundgebung und ihre Teilnehmer schützte. Seit Januar 1930 gab die NSDAP in Koblenz das "Koblenzer Nationalblatt" heraus, von dem in der Stadt und ihrer näheren Umgebung etwa 6.000 verkauft und 3.000 zu Propagandazwecken verteilt wurden. Im September des Jahres hatte die Ortsgruppe schon fast 800 Mitglieder, sie bekam bei den Wahlen über 9.000 Stimmen, doppelt so viele wie bei der Kommunalwahl ein Jahr vorher. 1932 gründete die NSDAP in Koblenz einen NS-Schülerbund und eröffnete ein SA-Heim in der Friedrichstrasse. Höhepunkt der Nazi-Kampagne war eine Kundgebung mit Hitler im Rahmen seiner Wahlpropagandareise im April 1932 mit, nach Naziangaben 50.000, nach Polizeiangaben 12.000 Teilnehmern. Trotz des massiven Propagandaeinsatzes, der hier nur kursorisch angedeutet ist, gelang den Nazis nicht der durchgreifende Wahlerfolg, den sie sich erhofft hatten; 3/4 der Bevölkerung waren katholisch und bei den Reichstagswahlen im November 1932 stimmten noch fast 13.000 für das Zentrum (gegenüber etwas über 11.000 für die NSDAP, 2.600 für die DNVP, und je über 3.800 für die SPD und KPD).
1934 wurden 3 Angehörige der Kreisleitung Koblenz der Deutschen Arbeitsfront (DAF), Reichsgruppe Landwirtschaft wegen "Unregelmäßigkeiten" zu Zuchthausstrafen verurteilt; später wurde auch ein Betriebsobmann und Ortsgruppenleiter aus Aachen namens Savelsberg in Koblenz verhaftet, nachdem er mit DM 3.000 durchgebrannt war.
1935 wird vor dem Schloß eine Thingstätte gebaut.
Nach der Sammlung für das Winterhilfswerk 1936/37 hieß es in einer vertraulichen Denkschrift des Gaupropagandawalters der DAF:
"... Kreis Koblenz: Leider mußten wir feststellen, dass die Landbevölkerung lieber den Pastoren für ihren Opferstock spendet, als sich an unseren Sammlungen zu beteiligen ... Unsere armen deutschen Volksgenossen sind die bravsten Spender gewesen."
Unmittelbar nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler wurde in Koblenz der langjährige Polizeipräsident Siesten, der in der Vergangenheit wiederholt gegen die Nazis vorgegangen war, amtsenthoben und später durch den nationalsozialistischen Abgeordneten im preußischen Landtag, August Wetter, ersetzt. Das gleiche geschah in der Folge dem Bürgermeister Rosendahl, dem Intendanten des Stadttheaters, Schoenfeld, dem Stadtdirektor Schwaige, dem Direktor des Arbeitsamtes Kirsch, dem Verkehrsdirektor Lanters u. a.
NSDAP und Deutschnationale führten von Januar bis März noch Wahlveranstaltungen zur Kommunalwahl (12. März) durch und beendeten ihn mit einem Aufmarsch ihrer Verbände, einer "vaterländischen Kundgebung" und Hissung der Flagge Schwarzweiß-rot und Hakenkreuz am Deutschen Eck. In diesem Wahlkampf, von dem die anderen Parteien mit Ausnahme des Zentrum, ausgeschlossen waren, wurde der Charakter der SA als Terrorinstrument deutlich: Messerstechereien, Schießereien und Überfälle auf Einrichtungen der SPD waren an der Tagesordnung; so wurde die Hauptgeschäftsstelle der sozialdemokratischen Tageszeitung "Rheinische Warte" im Eberthaus in der Löhrstrasse überfallen, woraufhin Leo Gundelfinger mit anderen Redakteuren ins Saarland auswich. Die letzte Kundgebund der Eisernen Front in Koblenz fand am 9. Februar statt. Eine für den 25. Februar angekündigte weitere Demonstration verbot das Polizeipräsidium "wegen Gefährdung der öffentlichen Sicherheit"; eigene Wahlveranstaltungen waren der SPD bereits seit Mitte Februar verwehrt.
Am 2. und 3. März nahm die Polizei in Koblenz über 80 Mitglieder der KPD in "Schutzhaft" bzw. kerkerte sie "wegen strafbarer Handlungen" ein und verunmöglichte so nebenbei deren Wahlkampf. Bei Durchsuchungen des Parteibüros und eines Verkehrslokals in der Castorstrasse beschlagnahmte sie Druckschriften und anderes Material und angeblich auch Waffen und Munition.
Aufgrund ihres Terrors gelang es den Nazis, bei den Reichstags Wahlen am 5. März stärkste Partei in Koblenz zu werden, aber das Zentrum konnte seinen Stimmenanteil noch steigern und SPD und KPD erlitten nur geringe Einbußen (NSDAP 16.822, Zentrum 12.830, DNVP 3.410, SPD 3.391 und KPD 3.131 Stimmen).
Als die Stadtverordnetenversammlung zwei Wochen nach ihrer Wahl, am 29. März 1933, zu ihrer ersten Sitzung im großen Saale der Stadthalle zusammentrat, fehlten die beiden kommunistischen Vertrerer; sie waren verhaftet. Die Fraktionen der SPD, des Zentrums und des Bürgerblocks wurden verringert, indem man ein am 22. März 1933 von der preußischen Staatsregierung beschlossenes Gesetz anwandte, nach dem Abgeordnete in Gemeindeparlamenten ihr Mandat nicht ausüben durften, wenn sie im Öffentlichen Dienst als Beamte, Angestellte oder Arbeiter tätig waren. Reichstagswahl
Die Ratsmitglieder Elsner (SPD), Stein, Kirsch und Lauth (Zentrum) sowie Sauerborn (Bürgerblock) konnten deshalb ihr Mandat nicht annehmen. Die beiden verbliebenen Sozialdemokratischen Abgeordneten Rummel und Detzel wurden von nationalsozialistischen "Ordnern" aus der Stadtverordnetenversammlung unter Gewaltanwendung entfernt und von den weiteren Sitzungen ausgeschlossen. Die Einführung der Ersatzmitglieder verhinderte der nationalsozialistische Fraktionsführer Christ mit der Begründung, dass "die Leitung der SPD sich im Ausland befinde und von dort aus hetzerische und verleumderische Angriffe gegen die heutige Reichsregierung richte."
Auf der Sitzung wurde Adolf Hitler einstimmig, nachdem die beiden sozialdemokratischen Mitglieder hinausgeprügelt worden waren, zum Ehrenbürger ernannt.
Am 23. Juni wurden, aufgrund einer Erklärung des preußischen Innenministers, die verbliebenen sozialdemokratischen Mandate ausgeschaltet und im Juli verfielen auch die des Zentrum nachdem sich die Partei aufgelöst hatte.
Der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete für Koblenz-Trier, Emil Kirschmann, flüchtete 1933 in das Saarland und später in die USA, um seiner Verhaftung zu entgehen. Er starb 1948, ohne nach Deutschland zurückzukommen.
Am 2. Mai wurden, wie überall in Deutschland, auch in Koblenz die freien Gewerkschaften zerschlagen: Das Gewerkschaftsbüro im Eberthaus und die Zweigstelle der Arbeiterbank wurden von Gauleiter Somon und Gaubetriebszellenleiter Carius beschlagnahmt und geschlossen. Der Gewerkschaftssekretär Johann Doetsch wurde ebenso verhaftet wie der Geschäftsführer der sozialdemokratischen "Rheinischen Warte", Manschke.
Am 21. 0ktober führte die Polizei in Koblenz eine großangelegte Razzia gegen die im Untergrund arbeitende KPD durch, nachdem in den vorangegangenen Wochen eine rege "kommunistische Tätigkeit" festgestellt worden war und am Vortage insbesondere das "Wohnhaus des Polizeipräsidenten mit kommunistischer Inschrift" versehen worden war. Um 5.30 Uhr morgens riegelten 55 Kriminalbeamte und Polizisten mit 150 SA- und SS-Männern die Kastor-, Mosel-, Kornpfortstrasse und die Nagelsgasse ab, durchsuchten 22 Wohnungen, fanden aber nur "verbotene Druckschriften älteren Datums und eine Jagdbüchse", weshalb sie von den 10 Festgenommenen nach den Verhören 9 wieder laufen lassen mußten. Gegen einen Festgenommenen wurde Haftbefehl wegen "Greuelpropaganda" erlassen.
Koblenzer Antifaschisten benutzten 1933 häufig Skatklubs für illegale Treffen.
Im Militärgefängnis Wöllershof waren 1933/34 exmitterte Familien von Antifaschisten eingekerkert. Die Zentrale der Koblenzer Gestapo befand sich Im Vogelsang 1 im ehemaligen Reichsbankgebäude, ein Gestapo-Gefängnis direkt nebenan in der Karmeliterstrasse im ehemaligen gleichnamigen Gebäude, weshalb es im Volksmund kurz "Karmeliter" genannt wurde.
Auf diesem Gelände Karmeliterstrasse/Ecke Rheinstrasse steht heute ein Teil des Bundesamts für Wehrtechnik und Beschaffung. Am Gebäude ist eine Gedenktafel mit folgendem Text angebracht:
"Pater Josef Kentenich - Gründer der internationalen Schönstattbewegung - geboren 18.11.1885 - gestorben 15.9.1968. Er war hier Gefangener der Gestapo vom 18.10.1941 bis zu seinem Abtransport in das KZ Dachau am 11.3.1942."
In Koblenz befand sich auch eine SA-Schule mit 3 Kompanien (etwa 500 Mann) in der Kaserne in Lützel und 3 weiteren Kompanien in der Kaserne Ehrenbreitstein. Die insgesamt etwa 1.000 SA Leute wurden von Reichswehroffizieren u. a. infanteriemäßig und an schweren MGs ausgebildet.
Von Protesten und Unruhen begleitet war die Einführung des Pfarrers Wolfrum Anfang 1934, der gleichzeitig ein Amt der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV) übernahm. Er war Mitglied der präfaschistischen Deutschen Christen (DC), die im Juli 1933 aufgrund einer üblen Wahlmanipulation bei den Kirchenwahlen fast sämtliche Kirchenämter usurpiert hatten. Der Bekennenden Kirche (BK) gelang es schließlich, die Berufung "ihres" Pfarrers Winterberg für Koblenz durchzusetzen. Katholische Geistliche wurden durch zahlreiche Vernehmungen und Zeugeneinvernahmen bei "Sittlichkeitsdelikten" diskreditiert und bedrängt.
Im August 1934 wurde der Neuendorfer Pfarrer Otto Friesenhahn in "Schutzhaft" genommen, weil er es unterlassen haben sollte, das anläßlich Hindenburgs Tod angeordnete Trauergeläute durchzuführen. Ein Jahr später wurde Friesenhahn zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt, weil er Einrichtungen des Staates und der Partei, insbesondere das Winterhilfswerk und Aktionen der NSV, als unchristliche Machenschaften bezeichnet hatte.
Im August 1935 verurteilte ein Schnellgericht den Hausdiener des Koblenzer Kolpinghauses, Philip Simon, zu zwei Monaten Gefängnis, weil er Plakate der Gauleitung abgerissen hatte.
Im Juli 1937 standen der Pfarrer der Gemeinde Güls und ein Kaplan, der früher in Güls tätig war, vor Gericht, weil sie den nationalsozalistischen Staat "verunglimpft" hatten.
Der katholische Jungmännerverband wurde durch Polizeiverordnungen in seinem Wirken stark eingeschränkt und im November 1937 schließlich zwangsaufgelöst.
In der Volksabstimmung am 19. August 1934 über die Vereinigung der Ämter des Staatsoberhauptes und des Reichskanzlers in der Person Hitlers, als eine freie Stimmabgabe nicht mehr möglich war, verweigerte jeder 5. Koblenzer Wahlberechtigte die Zustimmung, sei es, indem sie der Wahl überhaupt fernblieben oder ungültige Stimmen abgaben oder es gar wagten, mit "Nein" zu votieren. Das Ergebnis lautete im einzelnen:
In den ersten Jahren der faschistischen Herrschaft nahm die Koblenzer Polizei in zunehmendem Maße "Sittlichkeitsverbrecher" fest; im Oktober 1934 wurde in einem offensichtlich lancierten Leserbrief gefordert, die Polizei müsse die "Unsittlichkeit" stärker bekämpfen als bisher und die festgenommenen Personen einer produktiven Tätigkeit zuführen - man dachte an die Einweisung in Arbeitshäuser. Der Leserbrief war das Signal für eine nunmehr großangelegte Aktion. Kaum drei Wochen später verkündete die Polizei nach einer Razzia erste "Erfolge" in ihrem Kampf gegen "Zuhälter und Dirnen" und gab die Verhaftung von neun Männern aus Koblenz wegen Sittlichkeitsdelikten bekannt. In den folgenden Monaten ist die Koblenzer Lokalpresse voll mit Meldungen über Verhaftungen wegen derartiger Vergehen. Es ist sicher, dass es sich dabei meist um Personen handelte, für die man keinen Verhaftungsgrund hatte, sie aber vor allem aus politischen Gründen festnehmen wollte und ihre Verhaftung begründen mußte.
In einer groß angelegten Aktion wurden in der Nacht zum 6. Oktober in Koblenz (und einigen Orten in der Umgebung) Flugblätter wie "Die Wahrheit über den Reichstagsbrand" verteilt, was die Gestapo in große Unruhe versetzte, weil sie "trotz eingehender Ermittlungen" die Urheber nicht ausfindig machen konnte.
Am 15. November wird der Kraftfahrer Friedrich Wenzel, ein ehemaliger Stahlhelmer, in Koblenz wegen Verleumdung von Robert Ley, dem Führer der DAF und "Verächtlichmachung des deutschen Grußes" verhaftet.
Im April 1935 ließ die Gestapo in Koblenz Nacht für Nacht Streifen ihrer Leute und von Polizisten durchführen, um zu verhindern, dass von Antifaschisten Propaganda zum 1. Mai in Form von Wandinschriften, Straßenbemalungen etc. verbreitet wird. In der Nacht vom 21. zum 22. April wurden auf der Schanzenpforte, in der Victoriastrasse und in Lützel in der Wilhelmstrasse und der Hainkaserne kommunistische Flugblätter verteilt. Diese wiesen auf den Charakter des 1. Mai als Kampftag hin, entlarvten die Nazi-Demagogie um den "Tag der Arbeit" und verurteilten die Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht als konkreten Schritt der Kriegsvorbereitung. Im Juli 1935 muß die Koblenzer Gestapo zugestehen, dass es ihr nicht gelungen ist, die KPD zu zerschlagen; sie vermutete den Aufenthalt von 2 Instrukteuren der Bezirksleitung in Koblenz, mit deren Hilfe es gelungen sei, die Ortsgruppe der KPD neu aufzubauen, mindestens acht 5er Gruppen zu bilden und die ständige Verbindung zur Bezirksleitung des neuen Bezirks Mittelrhein der KPD sicherzustellen. Die Gestapo schätzt die Mitgliederzahl der KPD im Reich zu diesem Zeitpunkt auf über 150.000. Mit Besorgnis konstatiert sie zunehmende Verbindungen zur SPD und bedauert, dass es den Kommunisten teilweise gelungen sei, innerhalb von SA, HJ, Wehrmacht, Polizei und NS-Organisationen "Oppositionszellen" zu bilden.
Wegen "Vorbereitung zum Hochverrat" wurden in Koblenz am 23. September 1935 der Klempnermeister Johann Wagner, der Schreiner Wilhelm Schröder, der Bauarbeiter Karl Perschbach und der Arbeiter Peter Wagner festgenommen und gegen sie Haftbefehl erlassen. Im Dezember wird schließlich in der Stadt und einigen Orten der Umgebung das Flugblatt "Lagerordnung Lichtenburg" verteilt, das detailliert über die Terrormethoden in den KZ informiert, die in den ersten Monaten der faschistischen Herrschaft verniedlichend als "Erziehungsanstalten" dargestellt wurden.
Im Laufe des Jahres 1936 fanden in Koblenz zahlreiche Prozesse gegen Katholiken statt und im August verurteilte das Kölner Sondergericht einen Koblenzer Angeklagten zu 6 Monaten Gefängnis, weil er "führende Nationalsozialisten und die NSDAP geschmäht" hatte. Bis zum Ende dieses Jahres konnte man in den Koblenzer Zeitungen eine große Zahl von Vermisstenmeldungen, die bei der Polizei eingegangen waren, lesen. Sie machten auf die zahllosen Verhaftungen, Vernehmungen und Verschleppungen durch die Geheime Staatspolizei aufmerksam und waren anfangs offenbar mit der städtischen Polizei nur unzureichend koordinierert. Im Jahre 1937 brechen die Meldungen plötzlich ab. Es gab nur noch wenige Anzeigen über Vermisste, nach denen dann auch wirklich geforscht wurde. Dass die Verhaftungen fortgesetzt wurden, ist unstrittig, aber die Maschinerie wurde verfeinert.
1938 wurden in Koblenz eine Kurierin der KPD und eine Begleitperson festgenommen, die die Flugblattpropaganda vom Ausland her, insbesondere aus Luxemburg, logistisch sichergestellt hatten. Obwohl Koblenz eine katholische Hochburg war und die Arbeiterparteien keine allzu große Anhängerschaft hatten, gab es einen äußerst aktiven Kern von insbesondere Kommunisten, die in festorganisierten Gruppen bis in den 2. Weltkrieg hinein im Untergrund arbeiteten; noch Ende 1939 muss die Gestapo ungebrochene "kommunistische Zettelpropaganda" in Koblenz konstatieren. Am 10. 0ktober wurde während einer Rede Hitlers zusätzlich über der Stadt u. a. die Flugschrift "An alle Deutschen" von Hermann Rauschning von "Feindflugzeugen" abgeworfen; desgleichen Mitte November ein Flugblatt mit dem Titel "Wolkiger Beobachter".
Seit Herbst 1939 lebte in Koblenz-Metternich in der Triererstrasse 97 das Ehepaar Andreas und Anneliese Hoevel, wo sie das Geschäft von Annelieses verstorbenen Bruder, einen Obstgroßhandel mit Im- und Export, übernommen hatten. Die Hoevels waren zu diesem Zeitpunkt für die Faschisten keine Unbekannten mehr:
Der Ing. Andreas Hoevel war bereits im März 1934 wegen "Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens" vom Oberlandesgericht Kassel zu 1 1/2 Jahren Gefängnis verurteilt worden, weil er sich am Wiederaufbau der verbotenen KPD im Bezirk Frankfurt beteiligt hatte. Da er nach seiner Entlassung in seinem Wohnort Wiesbaden weiterhin im Untergrund gegen das Nazi-Regime gearbeitet hatte, wurde er im August 1935 erneut festgenommen und schließlich - nach vielen Zwischenstationen in das KZ Esterwegen verschleppt, aus dem er erst im Dezember 1938 entlassen wurde.
Anneliese Hoevel wurde wegen ihrer Aktivitäten in der kommunistischen Frauenbewegung in Wiesbaden "vor und nach der Machtübernahme" von September 1933 bis Februar 1934 in das KZ Moringen gesteckt und, da sie in der Folgezeit die illegale Arbeit fortgesetzt hatte - insbesondere als Anlaufstelle für einen Frankfurter Kurier der Revolutionären Gewerkschafts-Opposition (RGO) - vom Oberlandesgericht Kassel im Dezember 1934 zu 3 Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach Absitzen dieser Strafe kam sie wieder in das KZ Moringen und anschließend in das KZ Lichtenburg aus dem sie im April 1939 erst entlassen wurde.
In Koblenz nahmen die Hoevels bald Kontakte zu ihren Freunden und Genossen, den Eheleuten Noetzel in Wiesbaden, auf, besuchten sich regelmäßig und hörten gemeinsam die Sendungen des Londoner Rundfunk, die sie anschließend diskutierten. In der Folgezeit nahmen Hoevels und Noetzels Kontakt zu Wehrmachtsangehörigen auf, die sie von früher kannten und bei denen sie eine nicht-faschistische Gesinnung vermuten konnten. Mit diesen diskutierten sie, zunächst vorsichtend tastend später politisch verbindlicher, auf dem Hintergrund ihrer Kenntnisse aus den ausländischen Rundfunksendungen und hörten diese schließlich auch gemeinsam ab. In den Gesprächen mit den Wehrmachtsangehörigen wurde auch immer wieder die Frage des Überlaufens als antifaschistische Handlungsperspektive diskutiert.
Am 30. November 1941 wurden Andreas und Anneliese Hoevel festgenommen und am 26. Juni 1942 zusammen mit Margarete Noetzel und Jakob Newinger aus Koblenz wegen "Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens und Verbrechens gegen die Verordnung über außerordentliche Rundfunkmaßnahmen" zum Tode verurteilt. In den Morgenstunden des 28. August 1942 wurden die Verurteilten im Strafgefängnis Frankfurt-Preungesheim hingerichtet.
Außer dem Hilfsarbeiter Jakob Newinger aus der Triererstrasse 341 in Koblenz-Metternich wurden, in getrennten Verfahren, Leutnant Kleinz, Rudolf und Helmut Steinwand, Cäcilie Holten aus Düsseldorf, Helene Stommel und Margarete Lotz aus Duisburg und Alois Dieseler, die an den Diskussionen der Gruppe beteiligt gewesen waren, verfolgt.
Nach Andreas Hoevel ist in Koblenz - allerdings ohne Erklärung - eine Strasse benannt.
In Koblenz-Neuendorf ist ein Platz nach Pfarrer Friesenhahn benannt; Otto Friesenhahn, der 1924 bis 1936 katholischer Pfarrer in Neuendorf war, wurde während der Zeit des Faschismus Repressionen ausgesetzt und mehrmals inhaftiert.
"Rassische" Verfolgung und "Euthanasie"
Im Juni 1934 hat es erstmals Verhaftungen von Sinti und Roma in Koblenz gegeben. Eine gezielte Aktion gegen sie führte die Kriminalpolizei Anfang Januar 1936 durch; sie durchsuchte Wohnungen und nahm Verhaftungen vor, deren genaue Zahl nicht bekannt ist. Nachdem der Reichsinenminister in einem Erlaß vom 22. Juni 1936 zur allgemeinen Bekämpfung der Zigeuner im gesamten Reichsgebiet aufrief, verlangte die Stadt Koblenz von der Polizei, die seit 1932 im ehemaligen Kernwerk der Feste Franz wohnenden 12 Sinti- und Romafamilien zu entfernen; die kommunale Presse unterstützte diese Hetze, indem sie ständig eindringlich vor Zigeunern warnte und auf Prozesse in anderen Städten verwies, die zur Abschreckung dienen sollten. Der administrative und öffentliche Druck auf die in Koblenz lebenden Sinti und Roma wurde schließlich so stark, dass Anfang 1938 von ehemals 12 Familien nur noch 2 mit zusammen 27 Personen in der Stadt ansässig waren. Sie wurden am 5. und 6. August 1938 nach Weissenfels an der Saale abgeschoben, von wo sie allerdings, zusammen mit Sinti und Roma aus anderen deutschen Städten nach Koblenz zurückgeschickt wurden und am 17. August wieder eintrafen. In der Folgezeit wurden die im Mittelrheingebiet lebenden Sinti und Roma in Koblenz konzentriert und am 17. Mai 1940 - zu diesem Zeitpunkt waren es noch 78 - in das "Generalgouvernement" deportiert; an ihrem Schicksal dürfte - auch ohne Nachweis - kein Zweifel bestehen.
Am 1. April 1933 fand in Koblenz die erste größere Hetz- und Boykottaktion gegen die jüdischen Bürger statt. Sie wurde auf einer Kundgebung am Abend des 30. März im evangelischen Gemeindesaal eröffnet und vorbereitet, besonders Handels- und Gewerbetreibende waren dort zuhauf erschienen. Unter der Schlagzeile "Die Abwehraktion in Koblenz - Generalboykott gegen die Greuelpropaganda und gegen den Boykott im Ausland" berichtete der Koblenzer Generalanzeiger am folgenden Tag über die Veranstaltung; darin hieß es u. a.: "Ohne dass ein Mensch sie dazu gezwungen habe, seien deutsche Juden ins Ausland gegangen, um einen Lügenfeldzug gegen uns zu führen."
Kreispropagandaleiter Michels gab dann die Losung aus:
"Kein Deutscher kauft noch bei einem Juden. Kein Deutscher läßt sich durch einen jüdischen Arzt behandeln. Kein Deutscher läßt sich durch einen jüdischen Anwalt beraten oder vertreten. Kein Deutscher liest jüdische Zeitungen. Der Abwehrkampf setzt schlagartig am Samstag, 1. April, vormittags Punkt 10 Uhr, ein und zwar durch: 1. Aufstellung von Abwehrposten vor jüdischen Geschäften und Lokalen.
2. Aufklärung der Bevölkerung mittels einer Plakatschilderaktion.
3. Sprechchöre in den Straßen von Koblenz,
4. Kenntlichmachung deutscher Geschäfte und Lokale - mittels abgestempelter Plakate: 'Kein Jude'." Verfolgung der Sinti und Roma
In Koblenz beteiligten sich auch namhafte Firmen an der antijüdischen Aktion gegen Kaufleute, Ärzte und Rechtsanwälte, u. a. die Sektfirma Deinhardt, die danach an ihre Auslandsvertretungen in 24 Ländern aller Kontinente ein Schreiben zur "Erläuterung" der Aktion richtete, in dem es u. a. hieß:
"Das mangelnde Verständnis, das das Ausland der nationalen Erhebung in Deutschland entgegenbringt, veranlaßt uns, Sie zu bitten, in Ihrem Kunden- und Freundeskreis dafür einzutreten, dass die falschen Darstellungen und Berichte, die von gewissenloser Seite aus durchsichtigen Gründen über Deutschland verbreitet werden, widerlegt werden.
Die Maßnahmen, die die deutsche Regierung zur Unterdrückung dieses verleumderischen Vorgehens angeordnet hat, sind nur als Abwehr gegen diese Bewegung gedacht. ...
Das Leben in Deutschland, versichern Sie das bitte Ihren Freunden draußen, geht seinen regelmäßigen Gang weiter. Es sind sogar schon Anzeichen vorhanden, dass sich Handel und Wandel belebt und dass das ganze deutsche Volk einen viel zufriedeneren und zuversichtlicheren Eindruck macht, als dies in den letzten Jahren der Fall gewesen ist. Die Volkserhebung hat nur den Zwck, mit den Mißständen im eigenen Lande aufzuräumen; die Beziehungen zum Ausland sind davon unberührt. Deutschland will in Frieden mit der ganzen Welt leben!"
Ähnliche Schreiben verbreiteten die Koblenzer Fa. Leonhard Tietz AG, der Konsul der Republik Paraguay, Dr. Georg Mayer-Alberts an "sein" Außenministerium sowie die Koblenzer Werkstein- und Traggesellschaft Werkstein- und Traggesellschaft an ihre Geschäftsfreunde im Ausland; die folgende Formulierung in diesem Schreiben stellt ein Höchstmaß an demagogischer Umkehrung von Ursache und Wirkung dar:
"Kaum war diese für jeden Staat lebensnotwendige Einigkeit in Deutschland vollzogen, so begann in vielen Zeitungen des Auslandes eine maßlose Hetze gegen Deutschland. Berichte über Judenpogrome, Mißhandlungen Andersdenkender wurden kolportiert, wohl zu dem Zwecke, die anderen Staaten gegen Deutschland aufzuhetzen und so dem deutschen Volke den Aufstieg aus der Verelendung zu erschweren. Wir sehen uns veranlaßt, Ihnen hierdurch höflich mitzuteilen, dass alle derartigen Berichte nicht den Tatsachen ensprechen..."
Trotz des in der Bevölkerung relativ geringen Echos wiederholten die Nazis in den folgenden Monaten solche Hetz-Aktionen, wobei nicht selten Scheiben eingeworfen und andere "Sachbeschädigungen" vorgenommen wurden, in Koblenz war insbesondere die Westdeutsche Kaufhof AG davon betroffen.
Einen Höhepunkt der antijüdischen Hetzmaßnahmen stellte auch in Koblenz die Pogromnacht vom 9. zum 10. November 1938 dar, in der Wohnungen und Geschäfte der Juden zerstört, die Synagoge im Bürresheimer Hof am Florinsmarkt demoliert, die Inneneinrichtung vernichtet und zahlreiche Juden misshandelt wurden.
Ein Augenzeuge berichtete später:
"Uns gegenüber, in der Kurfürstenstraße, wohnte ein jüdischer Schuhmachermeister, der sein Geschäft schlecht und recht betrieb. Er hatte zwei kleine Kinder, eine Tochter und einen Sohn. Am Morgen des 10. November sah ich, wie zwei Männer, die mir als Mitglieder der Geheimen Staatspolizei bekannt waren, mit schweren Holzknüppeln unter dem Mantel in die Wohnung eindrangen und nicht nur die Steppmaschine des Schuhmachermeisters, sondern in den Schränken auch das Geschirr und persönliche Erinnerungsstücke zerschlugen. Mein Deutschlehrer an einem der beiden Koblenzer Gymnasien, dem ich dies am andern Morgen empört berichtete, sagte nur, das sei Staatsraison."
An die ehemalige Synagoge erinnert heute eine Tafel und - seit September 1986 - ein Gedenkraum im Bürresheimer Hof mit Schautafeln, Kultgeräten, Fotos und Dokumenten über das Schicksal jüdischer Familien in Koblenz.
Aus Koblenz emigrierten nach der Progromnacht zahlreiche Juden, darunter die Mitarbeiter der Beratungsstelle des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Die in Koblenz verbliebenen - es werden zu jener Zeit noch etwa 300 gewesen sein - wurden weiteren Mißhandlungen ausgesetzt, wenn sie nicht den Freitod wählten.
Allein bei den Deportationen der Jahre 1942 und 1943, die einzigen nachweisbaren in Koblenz, wurden über 200 Juden abtransportiert. Sie kamen nach Auschwitz, Izbica und Theresienstadt, einige auch nach Bergen-Belsen, Maidanek, Neuengamme und Sabibor.
Nur wenige der in Koblenz ausharrenden haben das Ende des Zweiten Weltkrieges überlebt, nämlich 22; 1933 waren es noch 600 und 1929 800!
Auf dem Friedhof der Jüdischen Kultusgemeinde, Schlachthofstraße 5, befindet sich eine Gedenksäule für die ehemaligen jüdischen Mitbürger der Stadt Koblenz.
Ein jüdischer Friedhof befindet sich auch in der Schwerestraße, auf ihm wurden während der Zeit des Faschismus fast alle Grabsteine gewaltsam entfernt.
Konzentrationslager und Zwangsarbeit
Seit 1933 befand sich am Asterstein in Koblenz-Ehrenbreitstein ein Lager des weiblichen Arbeitsdienstes, bis 1935 auch in Lützel, danach in Rübenach. Seit 1939 war Koblenz Standort des Hauptmeldeamts für den Bezirk Koblenz-Trier des weiblichen Arbeitsdienstes und damit für die Einberufung der "Arbeitsmaiden" zuständig. Die in den beiden genannten Lagern in Koblenz stationierten weiblichen Arbeitsdienstleistenden waren u. a. bei der Straßenbahn der Stadt und in der militärischen Standortverwaltung eingesetzt.
Dass die Arbeitsdienstleistenden des RAD ihre Zwangssituation nicht widerspruchslos hinnahmen und sich bisweilen gemeinschaftlich erfolgreich zur Wehr setzten, belegen zwei Meldungen des Gestapoamts Koblenz vom November 1935. "Am 31.10. vormittags hatten sich vor dem Regierungsgebäude und Rathaus in Koblenz 120 Arbeiter aus dem Aufbaulager in Tiefenbach (Hunsrück) angesammelt, das am Tage zuvor aufgelöst worden war und dessen Belegschaft sich schon vorher durch aufsässiges Verhalten bemerkbar gemacht hatte. Die Arbeiter verlangten durch ein Abordnung die Auszahlung ihres Wochenlohns, der ihnen vertraglich erst am Sonnabend zustand. Sie hatten wegen das Reformationsfestes die Arbeit schon am 30.10. niedergelegt und waren nach Koblenz zurückgekehrt. Sie weigerten sich, sich zum Lohnempfang nach Tiefenbach zurückzubegeben. Nach kurzer Verhandlung wurde die Auszahlung bewilligt. Ausschreitungen kamen nicht vor. Die Arbeiter sollen demnächst in einem Aufbaulager in Cochem eingesetzt werden."
"Aus dem Aufbaulager Gmünden bei Koblenz wurden am 21.11. etwa 60 Notstandsarbeiter entlassen, weil sie die Arbeit verweigert hatten. Die Arbeiter hatten eine Garantie dafür verlangt, dass sie wöchentlich ohne Rücksicht auf die Feiertage oder auf die Witterung den Lohn für 48 Stunden Arbeitszeit erhielten. Der Lagerleiter hatte ihnen erklärt, er würde mit zwei Arbeitern nach Koblenz fahren, um diese Forderung den maßgebenden Stellen vorzutragen. Hiermit waren die Arbeiter jedoch nicht einverstanden, sondern wurden am 22.11. geschlossen beim Wohlfahrtsamt vorstellig. Während zwei von ihnen mit der Stadtamtmann verhandelten, blieben die anderen vor dem Amt und verhielten sich ruhig. Eine Entscheidung konnte an diesen Tage noch nicht ergehen. Vermutlich handelt es sich bei der Vorgehen der Arbeiter um kommunistische Machenschaften."
Im Koblenzer Stadtwald waren 1936 über 330 Arbeitsdienstleistende bei Waldarbeiten eingesetzt.
(Durch Überbeanspruchung im Fahrverkehr sind im Laufe des Jahres 1939 monatlich 1.200 bis 1.500 Eisenbahn-Waggons im Gebiet der Westwall-Arbeiten unbrauchbar geworden; die meisten Unglücke passierten auf der Strecke Koblenz-Trier.)
In Koblenz befand sich ein Außenkommando des KZ Buchenwald mit der Bezeichnung "Rebstock", das der Fa. Gollnow und Sohn zugeordnet war, sowie ein Lager mit über 1. 200 Zwangsarbeitern. Weitere Lager gab es in Arenberg mit 65, Kapellen-Stolzenfels mit 370 und Rübenach mit 140 Zwangsarbeitern.
Je mehr der Faschismus militärisch in die Defensive geriet, desto hoffnungsvoller wurde die Lage der polnischen und sowjetischen Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen; in einem Bericht des Sicherheitsdienstes (SD) aus Koblenz heißt es dazu:
"Die derzeitige Stimmung und Haltung der Ostarbeiter und Ostarbeiterinnen wird stark von den politischen und militärischen Vorgängen im Osten beeinflußt. Ein großer Teil der Ostarbeiter ist heute mehr denn je von einem Siege der Sowjetunion überzeugt und möchte gerne wieder in die Heimat zurück. Werden ihnen neue Erfolge der Bolschewisten bekannt, können sie ihre Freude darüber nicht verbergen, ziehen teilweise sogar singend und johlend durch die Straßen, werden aufsässig gegen ihre Arbeitgeber und sehen den Zeitpunkt immer näher rücken, an dem sie in die Heimat zurückkehren können."
Während des Luftalarms in Koblenz im Mai 1943 haben Zwangsarbeiter mit Taschenlampen den Allierten Lichtsignale gegeben.
Zumindest bei der Sektkellerei Deinhardt, waren 1943/44 indische Kriegsgefangene eingesetzt, die den Faschisten, glaubt man den Berichten der Gestapo, erhebliche Schwierigkeiten gemacht haben.
Bei einem Bombenangriff am 24. Dezember 1944 sind in Bubenheim Zwangsarbeiter getötet worden.
A
B
C
Carius "Gaubetriebszellenleiter"
Christ NSDAP, Fraktionsführer im Stadtrat
D
Deinhardt Die Sektkellerei Deinhardt beteiligte sich an der antijüdischen Aktion und rechtfertigte sie gegenüber ihren Auslandsvertretungen in 24 Ländern. 1943/44 wurden indische Kriegsgefangene eingesetzt.
Detzel SPD, Ratsmandat 1933 aberkannt
Dieseler, Alois im November 1941 verfolgt
Doetsch, Johann Gewerkschaftssekretär, 2.5.1333 verhaftet
E
Elsner SPD, Ratsmandat 1933 aberkannt
F
Friesenhahn, Otto Pfarrer, August 1934 verhaftet, später zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt
G
Gollnow Der Fa. Gollnow und Sohn war ein Außenkommando des KZ Buchenwald mit der Bezeichnung "Rebstock" zugeordnet.
Gundelfinger, Leo Redakteur der sozialdemokratischen "Rheinischen Warte", flüchtete ins Saarland
H
Hörsing Vorsitzender des RB (Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold)
Hoevel, Andreas Ingenieur, März 1934 1 1/2 Jahren Gefängnis verurteilt, August 1935 bis Dezember 1938 im KZ Esterwegen, am 30.11.1941 verhaftet, am 26.6.1942 zum Tode verurteilt, am 28.8.1942 hingerichtet
Hoevel, Anneliese September 1933 bis Februar 1934 im KZ Moringen, im Dezember 1934 zu 3 Jahren Zuchthaus verurteilt, danach KZ Moringen und KZ Lichtenburg, am 30.11.1941 verhaftet, am 26.6.1942 zum Tode verurteilt, am 28.8.1942 hingerichtet
Holten, Cäcilie im November 1941 verfolgt
I
J
K
Kaufhof Von antijüdischen Hetz-Aktionen und "Sachbeschädigungen" war in Koblenz insbesondere die Westdeutsche Kaufhof AG betroffen.
Kentenich, Josef Pater, Gründer der internationalen Schönstattbewegung, am 18.10.1941 verhaftet, am 11.3.1942 ins KZ Dachau verschleppt
Kirsch - Direktor des Arbeitsamtes, Anfang 1933 amtsenthoben
- Zentrum, Ratsmandat 1933 aberkannt
Kirschmann, Emil SPD, Reichstagsabgeordnete, flüchtete 1933 in das Saarland und später in die USA
Kleinz, Leutnant Leutnant, im November 1941 verfolgt
L
Lanters Verkehrsdirektor, Anfang 1933 amtsenthoben
Lauth Zentrum, Ratsmandat 1933 aberkannt
Lotz, Margarete im November 1941 verfolgt
M
Manschke Geschäftsführer der sozialdemokratischen "Rheinischen Warte", 2.5.1333 verhaftet
Mayer-Alberts, Georg Der Konsul der Republik Paraguay rechtfertigte die antijüdischen Aktionen gegenüber "seinem" Außenministerium
Michels Kreispropagandaleiter, maßgeblich verantwortlich für die antijüdische Hetze
N
Newinger, Jakob Hilfsarbeiter, am 30.11.1941 verhaftet, am 26.6.1942 zum Tode verurteilt, am 28.8.1942 hingerichtet
Noetzel, Margarete am 30.11.1941 verhaftet, am 26.6.1942 zum Tode verurteilt, am 28.8.1942 hingerichtet
O
P
Perschbach, Karl Bauarbeiter, 23.9.1935 verhaftet
Q
R
Rauschning, Hermann warf 1939 über Koblenz Flugblätter ab
Rosendahl Bürgermeister, Anfang 1933 amtsenthoben
Rummel SPD, Ratsmandat 1933 aberkannt
S
Sauerborn Bürgerblock, Ratsmandat 1933 aberkannt
Schoenfeld Intendanten des Stadttheaters, Anfang 1933 amtsenthoben
Schröder, Wilhelm Schreiner, 23.9.1935 verhaftet
Schwaige Stadtdirektor, Anfang 1933 amtsenthoben
Siesten Polizeipräsident, Anfang 1933 amtsenthoben
Simon, Philip Hausdiener Kolpinghauses, August 1935 zu 2 Monaten Gefängnis verurteilt
Somon "Gauleiter"
Stein Zentrum, Ratsmandat 1933 aberkannt
Steinwand, Helmut im November 1941 verfolgt
Rudolf im November 1941 verfolgt
Stommel, Helene im November 1941 verfolgt
T
Tietz jüdisches Warenhaus
Tietz, Leonhard rechtfertigte die antijüdischen Aktionen gegenüber Geschäftspartnern
U
V
W
Wagner, Johann Klempnermeister, 23.9.1935 verhaftet
Wagner, Peter Arbeiter, 23.9.1935 verhaftet
Wenzel, Friedrich Kraftfahrer, ehemaliger Stahlhelmer, 15.11.1933 verhaftet
Werkstein- und Traggesellschaft rechtfertigte die antijüdischen Aktionen gegenüber ihren Geschäftsfreunden im Ausland
Wetter, August NSDAP, Abgeordneter im preußischen Landtag, Polizeipräsident nach Siesten
Winterberg Pfarrer, Bekennende Kirche
Wolfrum Pfarrer, NSV (Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt)
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