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Know your enemy…it’s
germany!
Ein Versprechen, mit dem die rot-grüne Bundesregierung die Bundestagswahl
2002 gewonnen hat, war das Nein zum Irak-Krieg der USA. Mit diesem „Nein“
soll endgültig das unabhängige und selbstbewusste Deutschland der
Weltöffentlichkeit als eine „erwachsene Nation“(Schröder) präsentiert
werden, denn die Bundesregierung lehnt diesen Krieg nicht aus humanitären
oder pazifistischen Gründen ab. Sie will ihre eigene Führungsrolle
innerhalb der EU weiter ausbauen und Europa immer mehr zu einem, vor allem
militärisch, gleichwertigen Konkurrenten der USA machen. Dies verdeutlicht
zum Beispiel, dass Deutschland mit insgesamt 32 000 Soldaten alleine ein
Drittel der neuen 100 000 Mann/Frau starken EU-Interventionstruppe und
weltweit nach den USA das zweitgrößte Truppenkontingent in
Auslandseinsätzen stellt.
Momentan sind es mehr als 10 000 Soldaten in 14 Ländern von Mazedonien bis
Afghanistan.
Man sollte auch nicht vergessen, dass diese rot-grüne Bundesregierung, die
momentan am lautesten „Nein“ schreit, genau dieselbe war, die noch 1998
den ersten deutschen Angriffskrieg nach Ende des 2.Weltkrieges gegen
Jugoslawien vorangetrieben hat.
Aber auch der größte Teil der deutschen Wirtschaft hat mit seiner
Ablehnung des Krieges seine Interessen klar definiert. Viele deutsche
Firmen nehmen ihre Schadenersatzforderungen aus dem letzten Golfkrieg
zurück und handeln sich damit lukrative Neugeschäfte mit dem Irak ein.
Diese Geschäfte würden durch einen neuen Irak-Krieg verhindert. Auch mit
dem Wissen, dass der Iran nach dem Irak eines der nächsten Kriegsziele der
US-Regierung sein könnte, ist die „Anti-Kriegs-Haltung“ Deutschlands zu
verstehen.
So gehört die Bundesrepublik mit Frankreich doch zu denjenigen westlichen
Ländern, die heute den meisten Handel mit arabischen Staaten im Nahen
Osten treiben. Die beiden europäischen Staaten sind die Top-Exporteure in
den Iran, Syrien und nahezu alle Anrainerstaaten des Irak. Gerade zum Iran
pflegt die BRD enge wirtschaftliche Beziehungen und diese sollen weiter
ausgebaut werden.
Es gibt sicherlich viele gute Gründe gegen einen Angriff auf den Irak zu
sein.
Zur Zeit formiert sich aber ein breites „Friedensbündnis“, das die
Vereinigten Staaten als den Hauptfeind Nummer Eins sieht, anstatt die deutsche Rolle in den Mittelpunkt seiner
Kritik zu stellen. Während die Friedensbewegung in den USA zum größten Teil
gegen die Politik ihrer Regierung opponiert, lässt sich in Deutschland
kaum mehr unterscheiden, ob die Friedensbewegung oder die rot-grüne Truppe
aufmarschiert. Bei vielen Demonstrationen gegen den Irak-Krieg ist häufig
auch eine patriotische bis nationalistische Stimmung zu spüren. Diese
Stimmung machen sich, in den letzten Wochen immer öfter, NPD und andere
rechte Kräfte zunutze und versuchen sich in die Demonstrationen
einzureihen, weil sie schließlich auch gegen den Krieg im Irak sind.
Oft werden sie vertrieben, aber nicht überall...
Doch als ob dies nicht schon schlimm genug wäre, findet vieler Orts auch
eine Solidarisierung mit dem Irak und dem Regime von Saddam Hussein statt.
Einem Diktator, der keine Opposition duldet, die Menschen ausbeutet,
foltert, unterdrückt und ermordet, zig Milliarden für Waffen,
Geheimdienste, Standbilder und Paläste ausgibt, während die Bevölkerung
hungert, und der ganz nebenbei einer der Hauptfinanziers der
antisemitischen Selbstmordbomber in Israel ist.
An dem Punkt kann auch mal erwähnt werden, dass von den knapp 7500
Asylanträgen irakischer Flüchtlinge, die genau vor diesem Regime flüchten,
in den ersten sieben Monaten des Jahres 2002 nur 313 nach Artikel 16a
politisches Asyl in der Bundesrepublik gewährt bekommen haben. Weitere
1.920 wurden als Flüchtlinge nach der Genfer Konvention anerkannt. Knapp
4.500 Iraker bekamen kein Asyl.
Dagegen geht aber leider niemand auf die Straße.
Ja, wir sind gegen diesen Krieg. Halten wir es aber am besten mit Karl
Liebknecht, der als einziger Sozialdemokrat 1914 gegen die Kriegsanleihen
für den ersten Weltkrieg stimmte. Sein Ausspruch „Der Hauptfeind steht im
eigenen Land“ hat nichts an Gültigkeit verloren.
Für kritische Anti-Kriegsdemonstrationen!
Gegen Nationalismus und Deutschtümelei!
antifa-koblenz
Februar 2003 |