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Koblenz - fruchtbarer Boden für rechtsextreme Aktivitäten

1988
30.04.88: Die "Braunen Adler Gießen" haben eingeladen. Unter den Gästen sind etliche bekannte Neonazis der DFC (Deutsche Front Coblenz). Sie versuchen dort, zwei besetzte Häuser anzugreifen, die von den BewohnerInnnen jedoch erfolgreich verteidigt werden. Mit von der Partie: Dietmar Dott aus Neuwied (DFC), Siegfried Hommer.


27.12.88: Mit Baseballschlägern bewaffnete Nazi-Skins überfallen am frühen Morgen auf dem Zentralplatz eine Gruppe junger Leute. Sie werden als Kommunistenschweine und Judensäue beschimpft, schließlich wird einem der Angriffenen mit einem Stiefel ins Gesicht getreten. Zwei beteiligte Neonazis: Siegfried Hommer und Norbert Jahrmatter.


1989
August 89: 8 - 10 Nazi-Skins randalieren in einem Cafe der Koblenzer Altstadt, schütten einem Cafebesucher eine Flasche Wein über dem Kopf aus und drohen, ihn umzubringen.


Ende August 89: Zwei Nazis überfallen an einem Samstagmittag um 12 Uhr eine junge Frau auf dem Zentralplatz und schneiden ihr mit einer Rasierklinge ein Zeichen der Neonazis in die Wange. Die Polizei hat Mühe, Zeugen zu finden.


1990
August 90: Beim alljährlichen Rudolf Hess-Gedenkmarsch in Wunsiedel/ Bayern werden bekannte Koblenzer Nazis gesichtet: Siegfried Hommer und Norbert Jahrmatter.


03.11.90: Zum 1. Kongreß der "Initiative Deutschland 90" in Koblenz rufen verschiedene publizistische Flaggschiffe der "Neuen Rechten" auf: "Europa vorn", "Zeitwende", ehemals "Europa", "Junge Freiheit" und "Wir Selbst". Auf diesem Kongreß versammeln sich Rechte jeder Couleur: Von FAP Mitgliedern (Freiheitliche Arbeiter Partei) über Mitglieder der völkischen WJ (Wiking-Jugend) bis hin zu Vertretern etablierter Parteien, so z.B. Detlev Kühn von der FDP, der dort sogar referierte. Da für das Treffen verdeckt mobilisiert wurde und so eine größere Öffentlichkeit ausgeschlossen war, konnten hier einige "Demokraten" ihre Berührungsängste für ein Wochenende vergessen. Bei diesem Kongreß ging es vor allem darum, die "alten Strategien" zu modernisieren und gesellschaftsfähig zu machen.


28.12.90: Der Kurde Nihat Yusufoglu aus Hachenburg wird von ca. 6 Neonazis angegriffen und schließlich von dem Jung-Nazis Alexander Tieze erstochen.


1991
06.04.91: Wahlveranstaltung der Republikaner mit Franz Schönhuber. Die Polizei tritt den AntifaschistInnen massiv entgegen, die vor der Rhein-Mosel-Halle stehen, um ihre Proteste zu artikulieren. Hinter der Polizeiabsperrung stehen bekannte Koblenzer Neo-Nazis (Lutz Christopher und Dietmar Dott, beide DFC), daneben ein Republikaner, der die AntifaschistInnen mit einer Videokamera abfilmt.


14.06.91: 12 - 15 Nazis-Skins greifen ein Haus im Westerwald an, das von mehreren Leuten aus der Punk-Szene bewohnt wird, und werfen einige Auto- und Fensterscheiben ein.


21.06.91: Mehrere Neo-Nazis greifen erneut das Haus an, brechen die Haustür auf und verwüsten die gesamte Inneneinrichtung (Sachschaden 40.000 DM). Von den Bewohnern ist niemand in Mitleidenschaft gezogen worden, da sie bei Freunden auf einer Feier waren.


24.08.91: Um 3 Uhr werden vor der Discothek Logo 4 Personen von ca. 7 Nazis angepöbelt und mißhandelt (Tritte gegen am Boden Liegende, Haarbüschel werden ausgerissen). Zwei der Nazis: Mirco Appeltauer und Dirk Muscheid, beide DFC.


04.09.91: BesucherInnen der Discothek "Dreams" werden von Neo-Nazis mit Autos durch die Stadt gejagt.


22.09.91: Auf dem Asterstein und in Arzheim werden Nazischmierereien entdeckt.


Oktober 91: Bei Hausdurchsuchungen in Rheinland-Pfalz werden bei Faschisten Sprengstoff und Waffen gefunden.


02.10.91: Nachts feiern Koblenzer Neo-Nazis die Wiedervereinigung und schlagen BesucherInnen der Discothek Dreams zusammen.


17.10.91: Erste Antifademo in Koblenz. Es beteiligen sich ca. 800 Menschen! Die Polizei nimmt im Anschluß an die Demonstration mehrere Personen fest, darunter eine Person, die sich gegen einen Angriff der Nazi-Skins zur Wehr gesetzt hat. Die Nazis bleiben von der Polizei unbehelligt.


19.10.91: Am Wochenende nach der Demo haben Koblenzer Nazis Verstärkung von außerhalb bekommen. Abends schlagen sie ein Paar in der Löhrstraße zusammen, weil die Frau eine Farbige ist. (RZ 21.10.91)


26.10.91: Drei chinesische Asylbewerber werden von vier Rechten in Moselweis zusammengeschlagen, einer von ihnen erlitt einen Jochbeinbruch. Die Täter flüchten anschließend in einem blauen Golf. (RZ 28.10.91)


15.11.91: Die Republikaner veranstalten einen Informationsabend in der Rhein-Mosel-Halle vor einer Zuhörerschaft von 17 Personen! Engagierte AntifaschistInnen hatten ein paar Tage vorher "Fällt aus"-Klebestreifen über die Plakate der Republikaner geklebt.


1992
04.01.92: Ca. 20-30 Nazi-Skins ziehen mit Knüppeln bewaffnet durch Koblenz.


25.01.92: Großes Skin-Treffen am Hauptbahnhof. Später ziehen sie durch die Stadt die Stadt und grölen Nazi-Lieder.


08.02.92: Nach der Demo anläßlich des Prozesses gegen Alexander Tieze werden Antifaschisten festgenommen und auf dem Polizeipräsidium mißhandelt.


28.03.92: Schon nachmittags greifen mehrere Nazis (u.a. Mirco Appeltauer, DFC) Personen an, die im Haus Metternich am Münzplatz (JBS) ein antifaschistisches Konzert vorbereiten. Zwei werden mit Knüppeln am Kopf verletzt. Später wird ein Konzertbesucher mit einer abgebrochenen Flasche im Gesicht und an den Händen geschnitten. Ein weiterer Angriff der Nazis gegen 22 Uhr (u.a. beteiligt: Dirk Muscheid, DFC) wird mit Steine und Leuchtkugeln abgewehrt. Die Polizei nimmt das als Anlaß, das Konzert vorzeitig abzubrechen. Die RZ (Rhein-Zeitung) schreibt, die Ausschreitungen gingen ausschließlich von KonzertbesucherInnen aus.


03.04.92: Mehrere Personen werden vor den "Mainzer Bierstuben" im Altengraben, einem bekannten Treffpunkt der regionalen Neo-Nazi Szene (u.a. auch der DFC), brutal zusammengeschlagen.


09.05.92: Nazi-Skins versuchen mehrmals die BesucherInnen einer Veranstaltung in der Schloßstraße anzugreifen. Bei ihrem dritten Versuch werden sie erfolgreich vertrieben (u.a. beteiligte Nazis: Matthias Wittlich alias "Matze", DFC, und sein Bruder).


24.05.92: Die Paneuropa-Union tagt in der Rhein-Mosel-Halle. Unter der Schirmherrschaft von Dr. Helmut Kohl versuchen hier rechte Politiker ihre "alten Ideale" wieder hoffähig zu machen. Der internationale Präsident der Paneuropa-Union, Dr. Otto von Habsburg (MdEP - CSU) ist zugleich Milglied des völkischen Wittikobundes und Mitarbeiter der "Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte" (IGfM). In der IGfM sind namenhafte Alt- und Neonazis (u.a. Prof. Dr. Blumwitz, ehemaliges NSDAP- und SA-Mitglied), die über diese Organisation mit ihrem wohlklingenden Namen weltweit diktatorische Regime unterstützen (z.B. Pinochet in Chile, die Contras in Nicaragua etc.).


24.08.92: Andy H., zur Koblenzer Skinhead-Szene gehörig, schießt auf Besucher des Koblenzer Zentralplatzes und richtet ein Blutbad an. Ein 35-jähriger Obdachloser wird auf der Stelle getötet, fünf weitere Personen, darunter eine Frau, erleiden schwere, z.T. lebensgefährliche Verletzungen. Polizei, Staatsanwaltschaft und Rhein-Zeitung informieren verharmlosend über die Tat eines einzelnen - "ohne jeden politischen Hintergrund". Wer Andy, seine "Freunde" und ihr Auftreten schon einmal erlebt hat, weiß besser Bescheid. Zusammenhänge mit den Pogromen von Rostock (Gewalt gegen Asylsuchende und Ausländer durch Neo-Nazis) sind unverkennbar.