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Mensch traut seinen Augen nicht:

Unter dem Motto „Fight Capitalism – Eine andere Welt ist möglich“ rufen die Jugendverbände von Verdi, IG Metall, DGB und der ASTA der FH Koblenz zu einer Demonstration am 17. Juli 06 in Koblenz auf.
Mit einem scheinbar radikalen Flugblatt versuchen die AufruferInnen hierfür zu mobilisieren.
Wir, die Antifa Koblenz, möchten diese Demonstration nicht unkommentiert lassen. 

Von Heuschrecken und anderen Parasiten...

Die hervorgehobene, durchgestrichene Heuschrecke unter dem Slogan „Fight Capitalism“ lässt die eigentliche Intention der VerfasserInnen erahnen: die scheinbare Kritik an der kapitalistischen Vergesellschaftung wird verkürzt als Heuschrecke bildlich dargestellt. Mit dieser Anlehnung an Franz Münteferings pseudo-antikapitalistische, personifizierte Kritik gegenüber „verantwortungslosem amerikanischem Raubtierkapital“, welches über das vermeintlich soziale und friedliche Europa herzufallen scheint, wird deutlich, welches „Problem“ hier vorrangig zu bekämpfen sei: US-Imperialismus, abstraktes Finanz- und Anlagekapital, skrupellose Manager, kurz „Heuschrecken“, sowie „das Kapital mit Namen und Adresse“ werden als „Strippenzieher“ der Ökonomie verstanden. Es geht lediglich um eine sozialere Ausgestaltung des heimischen kapitalistischen Wahnsystems gegenüber diesen „fremden Bösewichten“. Dies bietet nicht nur Anknüpfungspunkte für ressentimentgeladene antisemitische Verschwörungstheorien, sondern zeugt auch von der Unkenntnis über die apersonelle Herrschaftsstruktur des Kapitalismus. Indem jedoch die Forderungen der jungen GewerkschafterInnen nur auf die aktuelle innerdeutsche Tagespolitik zielen, wird ausgeblendet, dass auf Grund der Produktivitätsentwicklung des modernen Kapitalismus ein Leben in Muße mit Wohlstand für alle Menschen weltweit möglich wäre - und zwar jenseits von Kategorien wie „Volk“,„Staat“ und „Nation“. In der Beschränkung auf Forderungen nach „Reformen in Deutschland“ wird aber eben nicht emanzipatorisch argumentiert, sondern es wird sich mit dem Wunsch nach einem „besseren Deutschland“ zufrieden gegeben. In der Darstellung der Kosmopolitin und Revolutionärin Rosa Luxemburg als „deutsche Politikerin“ auf der Rückseite des Aufrufs erreicht diese nationale Borniertheit ihren vorläufigen Höhepunkt. 

Arbeit, Arbeit macht das Leben süß...
Der positive Bezug auf kapitalistische Lohnarbeit in den Forderungen zeugt des weiteren von dem spezifisch deutschen Arbeitsfetisch. Durch die enorme Produktivitätsentwicklung läge jedoch aus antikapitalistischer Sicht die Intention Marx', unter anderen gesellschaftlichen Vorzeichen entfremdete Arbeit abzuschaffen, näher. Eine Verbesserung der immer prekärer organisierten Arbeitsverhältnisse kann daher nur eine Minimalforderung darstellen. Oberste Maxime muss es aus emanzipatorischer Sicht aber sein, für eine Abschaffung der Lohnarbeit sowie für eine globale, plurale Assoziation des Individuums einzustehen. 

Antikapitalismus darf sich nicht auf das Suchen nach Feindbildern beschränken, sondern muss Strukturen verstehen und bekämpfen. 

Smash Capitalism – Hängematten für Alle !