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Kein Friede mit Deutschland! Naziaufmarsch und NS-Verherrlichung stoppen!
Am 20.11.04 wollen zum dritten mal innerhalb eines Jahres Alt- und Neonazis gemeinsam im Taunus (Rheinland Pfalz) demonstrieren. Erneut geht es hierbei um den Erhalt bzw. Wiederaufbau eines so genannten Ehrenmals für die Gefallenen des Kameradschaftsverbandes der 1. und 12. Panzerdivision. Es handelt sich bei diesen Einheiten einmal um die Leibstandarte „Adolf Hitler“ (1. Panzerdivision) und um die Division „Hitlerjugend“ (12. Panzerdivision). Die Leibstandarte „Adolf Hitler“ wurde am 17.03.1933 aus 120 Mann der ehemaligen Münchner Leibwache Hitlers gebildet. Sie ging aus der 1925 entstandenen Schutzstaffel (SS) der NSDAP hervor, die besonders zum persönlichen Schutz Hitlers und zum Versammlungsschutz aus den treusten und zuverlässigsten Parteimitgliedern gebildet wurde. Die Leibstandarte wurde als bewaffnete SS-Truppe auf Hitler persönlich vereidigt und so, gegen die Verfassungsbestimmungen, seine Privatarmee. Mit Unterstützung der Reichswehr übernahm sie 1934 in der Röhm-Affäre die Hauptaufgaben bei der Verhaftung und Liquidierung von SA-Führern, darunter auch alte Kameraden und Freunde. Nach dem Überfall auf Polen 1939 wurde die SS Leibstandarte in die neu gegründete Waffen SS eingegliedert. Neben den militärischen Divisionen für den Fronteinsatz wurden zur Waffen SS alle bewaffneten Verbände der SS einschließlich der KZ-Wachmannschaften (SS-Totenkopfverbände) gezählt. Die Kernidee des SS-Ordensgedankens, den eigentlich noch zu schaffenden nationalsozialistischen Menschen in der Gegenwart schon vorwegzunehmen, galt auch für die Waffen SS. Die freiwilligen, sofern sie den SS-Rassekriterien entsprachen, Soldaten der Waffen SS verstanden sich als politische Kämpfer und damit als fanatische Träger der nationalsozialistischen Weltanschauung. Die Leibstandarte galt innerhalb der Waffen SS als Elitetruppe und machte durch skrupelloses und brutales Vorgehen auf sich aufmerksam. Sie war nahezu im gesamten Europa an dem deutschen Vernichtungskrieg beteiligt und nachweislich für eine Reihe von Kriegsverbrechen verantwortlich: - Mai 1940 in Dünkirchen Erschießung von 65-80 britischen Kriegsgefangenen - Mai 1941 in Wormhoudt Erschießung von 45 britischen Kriegsgefangenen - Oktober 1941 Erschießung von 4000 sowjetischen Kriegsgefangenen, die sich vorher ergeben hatten - März 1943 in Charkow Erschießung von 700 Verwundeten der Roten Armee - September 1943 Lago Maggiore Erschießung von ca. 60 italienischen Juden - Dezember 1944 in Malmedy Erschießung von 84 amerikanischen Kriegsgefangenen. Die 12. Panzerdivision „Hitlerjugend“ ging aus der Leibstandarte „Adolf Hitler“ hervor. Sie wurde am 20.07.1943 aus Kadern der Leibstandarte und Jugendlichen der Hitlerjugend aufgestellt und war während der Invasion der Alliierten in der Normandie ebenfalls an Kriegsverbrechen beteiligt. Sie erschossen am 07.06.1944 ca. 100 kanadische Kriegsgefangene und überfuhren sie anschließend mit ihren Panzern. Neben diesem besonders brutalen Vorgehen bei Fronteinsätzen waren alle Verbände der Waffen SS, nicht nur die SS- Totenkopfverbände, maßgeblich mitverantwortlich für die Durchführung des deutschen eliminatorischen Antisemitismus. Sowohl bei Deportationen als auch direkten Exekutionen von Jüdinnen und Juden waren sie beteiligt. In den Nürnberger Prozessen erklärte der Internationale Militärgerichtshof ausdrücklich die Waffen SS als untrennbaren Teil der Gesamt SS wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zur verbrecherischen Organisation. Ehrenmal, es war einmal… Trotz der Einstufung als Terrororganisation gelang es dem Kameradschaftsverband der 1. und 12. Panzerdivision einen Gedenkstein für ihre toten Kameraden zu errichten. Dass ausgerechnet das winzige Dorf Marienfels im Taunus für einen solchen Gedenkstein in Frage kam, erklärt sich aus der Stationierung der SS Leibstandarte „Adolf Hitler“ 1939/40 in der Region. Vor dem Einmarsch in Frankreich freundeten sich die Einwohner mit der SS Eliteeinheit an. Diese Freundschaften scheinen nach eigenen Aussagen von einigen Marienfelser Bügern immer noch zu bestehen. Dies führte 1971 zu dem Antrag des Kameradschaftsverbandes an den örtlichen Gemeinderat eine Grabfläche für ein „Ehrenmal“ erwerben zu dürfen. Der damalige Marienfelser Gemeinderat beschloss einstimmig dem nachzukommen, allerdings nur unter „strikten“ Auflagen: „Auf dem Gedenkstein und allen Nebenteilen dürfen keine politischen Embleme angebracht werden. Bei Zusammenkünften auf dem Friedhof dürfen keine politischen oder weltanschaulichen Anmerkungen gemacht werden. Alle Reden dürfen sich nur auf das Gedenken der Gefallenen beziehen. Die Zeit der Nutzung wird auf die Dauer von 20 Jahren befristet. Der Kaufpreis beträgt 400 Mark und ist sofort zahlbar. Pflege und Haftung hat der Antragsteller zu tragen.“ Abweichend von diesem Beschluss wurde vom Bürgermeister am 25.05.1971 mit dem Kameradschaftsverband ein Vertrag über 30 Jahre und einem Kaufpreis von 450 DM abgeschlossen. Nachdem das „Ehrenmal“ am Pfingstsonntag 1971 eingeweiht wurde, trafen sich jährlich am Volkstrauertag der Kameradschaftsverband, dessen Familienangehörige und zunehmend auch Neonazis. 1977 sowie 1989 fanden gegen diese SS-Gedenkfeiern Demonstrationen statt, die 1989 von Auseinandersetzungen zwischen den Alt-/Neonazis und AntifaschistInnen begleitet wurden. Seit 1990 waren die Treffen dann an zusätzliche Auflagen geknüpft, die es verlangten, dass sie vier Tage im Voraus angemeldet werden müssen und die Reden vorher von der Gemeinde und dem Verfassungsschutz geprüft werden. Mit Auslaufen des Pachtvertrags 2001 lehnte der Gemeinderat von Marienfels eine Verlängerung einstimmig ab beschloss jedoch das Mal laut dem Bürgermeister „aus Ehrfurcht vor den Alten“ unbefristet zu dulden. Die Duldung wurde an eine 3000 € hohe Sicherheitsleistung gebunden, die der Kameradschaftsverband für eine mögliche Beseitigung des Mals zu hinterlegen hatte. Dieser Bedingung wurde bis 2003 nicht nachgekommen, so dass eine Frist bis zum 01.08.03 gesetzt wurde diese Vereinbarung zu akzeptieren oder den Gedenkstein bis zum 01.09.03 zu entfernen. Statt dem nachzukommen organisierten der Kameradschaftsverband gemeinsam mit NPD und freien Kameradschaften eine bundesweite Demonstration für den Erhalt des „Ehrenmals“ an der sich am 22.11.03 fast 300 Rechtsextremisten beteiligten. Hierbei trat unter anderem der Altnazi Otto Riehs, der für seine Verbrechen mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet wurde, und der Führungskader der „Freien Kameradschaften“ Thomas „Steiner“ Wulff aus Hamburg als Redner auf. Mitte April 2004 einigten sich Gemeinde und Kameradschaftsverband darauf, dass der Gedenkstein bis Ende 2005 zu entfernen sei. Unbekannte zerstörten in der Nacht vom 28./29.04.04 das SS-Ehrenmal. Ausgerechnet am 08.05.04 (Jahrestag der Kapitulation Nazideutschlands) demonstrierten erneut 200 Rechtsextremisten in Marienfels diesmal für den Wiederaufbau des Gedenksteins. Wieder waren neben den regionalen Kameradschaften Westerwald, MSC 28 (Limburg) und der Schwarzen Division Rheinhessen überwiegend Neonazis aus NRW anwesend. Als Redner traten der stellvertretende NPD-Landesvorsitzende NRW Claus Cremer, der Führungskader der „Freien Kameradschaften“ Ralph Tegethoff und der NPD-Kreisvorsitzende Bonn Robert Klug auf. Unter dem Motto „Für den Wiederaufbau des Denkmals des I. SS-Panzerkorps, jetzt!“ wird für den 20.11.04 eine weitere Demonstration geplant, die diesmal statt in Marienfels im nahe gelegenen Nastätten stattfinden soll. Bei Nichterfüllung der Forderung des Wiederaufbaus werden ab Mai 2005 jährliche Aufmärsche „des nationalen Widerstands“ angedroht. Diese Ankündigung und die Zusammenarbeit von NPD und „Freien Kameradschaften“ zeigt deutlich welchen Stellenwert die Glorifizierung und Ehrung von Wehrmacht, SS und hier Waffen SS innerhalb der Naziszene haben. Die Heroisierung von Mördern, ihren Taten und der sie bedingenden Ideologie bilden den zentralen Anknüpfungspunkt zwischen Alt- und Neonazis. Freundschaft, Freundschaft über alles… Doch diese öffentlich inszenierte Verherrlichung der NS-Verbrechen ist mittlerweile für Marienfels zum Problem geworden. Während 1971 die „persönlichen Kontakte und Freundschaften“ zur Leibstandarte „Adolf Hitler“ die einstimmige Genehmigung möglich machten und ebenfalls als Ehrung und Verharmlosung zu werten sind, will Marienfels sich von Neonazis distanzieren. Weiterhin unreflektiert bleibt der Umgang mit den einstigen Tätern und ihren Taten sowie der Unterstützung durch die Bevölkerung, die diese erst ermöglicht haben und ohne die wohl keine Freundschaften entstanden wären. Hier zeigt sich deutlich, dass im Nachhinein noch eine ideologische Nähe zwischen „ganz gewöhnlichen Deutschen“ und den Vollstreckern des Holocaust, wie sie Daniel Goldhagen beschreibt, weiter besteht. „Hitler und die Nationalsozialisten waren offensichtlich die treibende Kraft hinter der Verfolgung und schließlichen Vernichtung der Juden. Die Voraussetzung aber lieferte der bei den Deutschen bereits vorhandene Antisemitismus; er war unabdingbar notwendig für die Verwirklichung des eliminatorischen Programms, dem die Deutschen mit leider nur wenigen Ausnahmen grundsätzlich, wenn nicht gar uneingeschränkt zustimmten.“(Goldhagen) Hiervon können auch nicht die Auflagen des damaligen Gemeinderats, keine politischen oder weltanschaulichen Anmerkungen zu machen, hinwegtäuschen denn allein das Gedenken der Täter legitimiert die Taten sowie die ihnen zugrunde liegende nationalsozialistische Ideologie. Auch die nachfolgenden Generationen der Marienfelser schaffen es nicht sich eindeutig zu distanzieren, sondern reagieren nur halbherzig. Einerseits wird zwar eine Verlängerung des Pachtvertrags vom Gemeinderat einstimmig abgelehnt, aber statt konsequent den Abriss des Gedenksteins zu verfolgen wird zunächst eine unbefristete und dann eine befristete Duldung ausgehandelt. Während der damalige Gemeinderat die bestehenden Freundschaften zur SS-Eliteeinheit als Begründung nimmt, muss jetzt die „Ehrfurcht vor den Alten“ als Motiv der Duldung herhalten. Dass somit weiterhin nationalsozialistische Verbrechen und Verbrecher verherrlicht und geehrt werden, scheint niemand zu stören. Unangenehm wurde es den MarienfelserInnen erst als zunehmend Neonazis an den Treffen des Kameradschaftsverbandes teilnahmen und damit auch AntifaschistInnen auf diese aufmerksam wurden. Wen die MarienfelserInnen hierbei als größere Bedrohung wahrnehmen bleibt ungeklärt. Es erfolgt natürlich das reflexhafte Bekenntnis rechtsextreme Organisationen, wie die NPD oder die „Freien Kameradschaften“, abzulehnen, vor allem da sich ihr Protest in erster Linie gegen den Bürgermeister und den Gemeindepfarrer richtet. Eine mögliche Gefahr wird aber auch in antifaschistischen Gruppen gesehen. So meint der Bürgermeister, dass es fatal wäre wenn Marienfels zu einer Pilgerstätte ungebetener Gäste würde. Der Landrat sieht ebenfalls die Möglichkeit, dass radikale Kreise in Marienfels Randale machen könnten. Die eigentlichen Opfer sind demnach die Bewohner von Marienfels. Die Relativierung der Vergangenheit, gepaart mit dem Schlüpfen in die Opferrolle, scheint sich dabei als Vergangenheitsbewältigung besonders zu eignen und dies nicht nur in Marienfels. no amnesty for germany So zielt die „neue“ deutsche Vergangenheitsbewältigung darauf ab „endlich einmal“ die deutschen Leiden und Opfer in den Vordergrund der Geschichtsbetrachtung zu stellen und Deutschland als eine Nation zu präsentieren, die aus ihrer Geschichte gelernt hat. Exemplarisch dafür steht: Martin Walser, der 1998 bei der Verleihung des Friedenspreises in der Frankfurter Paulskirche die „Moralkeule Auschwitz“ beschwor. Historiker wie Guido Knopp bzw. Jörg Friedrich, die die Deutschen schon immer als Opfer ihrer Geschichte sahen (wahlweise als „Opfer von Hitler“ oder als Opfer des „alliierten Bombenterrors“). Der „Bund der Vertriebenen“ der die „Vertreibung“ der Deutschen aus Polen und Tschechien nach der Zerschlagung Nazideutschlands als Unrecht darstellt und daraus Entschädigungsforderungen ableitet. Oder eine rot-grüne Bundesregierung, die nicht trotz, sondern wegen Auschwitz, einen Krieg gegen Ex-Jugoslawien führte. Dieser Mix aus Schlussstrichforderung, Opfertaumel, Relativierung, Revanchismus und nationalem Selbstbewusstsein widerspricht sich keineswegs, sondern zeigt einen Trend auf, der sich besonders nach dem Zurückerlangen der staatlichen Souveränität mit der Wiedervereinigung 1990, entwickelt hat. Das erwachsene und geläuterte Deutschland fühlt sich von der historischen Schuld frei und ist auf dem Weg zur Normalität. Genau auf diesem Weg gilt es für AntifaschistInnen, Deutschland in den Rücken zu fallen und den hiesigen Verhältnissen entgegen zu wirken. Denn Täter bleiben Täter, ohne Wenn und Aber. Daher am 20.11.04 in Nastätten Naziaufmarsch und NS-Verherrlichung stoppen! Deutschland halt's Maul! Achtet auf weitere Ankündigungen! checkt: www.antifa-koblenz.tk
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